Ankara drängt Ukraine und Russland zu schnellen Verhandlungen

Die Türkei gibt sich optimistisch, was die Freigabe der ukrainischen Schwarzmeerhäfen angeht. Nach Vorgesprächen zwischen Vertretern Ankaras und Moskaus in der vergangenen Woche erklärte Ibrahim Kalin, der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, gestern, dass die Etablierung eines "Getreidekorridors" im Schwarzen Meer "drei bis vier Wochen" dauern werde. Voraussetzung dafür seien aber grundlegende Vereinbarungen zwischen der Ukraine und Russland.
Kalin schlug erneut Istanbul als neutralen Verhandlungsort für Gespräche vor, an denen auch Vertreter der Türkei und der Vereinten Nationen (UN) teilnehmen sollen. Der Präsidentensprecher zeigte zudem Verständnis für Kiews Weigerung, die Seeminen vor dem Hafen Odessa zu räumen. Die Sorge, dass Russland diese Gelegenheit zum Angriff von der Seeseite nutzen könnte, sei nicht von der Hand zu weisen, so Kalin, der die beiden Länder gleichwohl zu schnellstmöglichen Verhandlungen aufrief.

Unterdessen wird in der Ukraine mit Hochdruck am Ausbau der alternativen Transportrouten gearbeitet. Dabei kommt auch Unterstützung aus dem Ausland. So sicherte Großbritannien Kiew kürzlich umgerechnet 11,6 Mio Euro zur Reparatur zerstörter Eisenbahn-Infrastruktur an, um die Getreideexporte in Richtung Westen zu verbessern. Auch Rumänien versprach Schritte, um die Abwicklung von Binnenschiffstransporten über die Donau und über das eigene Schienennetz zu optimieren.

Der rumänische Außenminister Bogdan Aurescu kündigte am vergangenen Freitag im Rahmen der Berliner Welternährungskonferenz zudem Pläne für einen strategischen Ausbau des größten rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta an. Dieser soll nach seinen Worten zu einer "Lebensmitteldrehscheibe auf europäischer Ebene" gemacht werden. Damit verbunden sei eine weitere Erhöhung der Getreideumschlagkapazität, die im vergangenen Jahr bereits bei 25,0 Mio t gelegen habe. AgE


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