USDA-Bericht ohne Überraschungen

Der jüngste Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) zum Weltgetreidemarkt hat aus Sicht der Markteilnehmer keine Überraschungen gebracht. Das globale Weizenaufkommen in der Saison 2022/23 veranschlagt das USDA in seinem am vergangenen Freitagabend veröffentlichten Report auf 773,4 Mio t. Das sind lediglich 1,4 Mio t weniger als die Washingtoner Experten bei ihrer Erstschätzung im Mai für möglich gehalten hatten. Die Ernteprognose für Indien wurde im Monatsvergleich um 2,5 Mio t auf 106,0 Mio t gekürzt, da extreme Temperaturen im März und April dort keine gute Kornfüllung zuließen.

Umgekehrt sind die Witterungsbedingungen in Russland bisher nahezu ideal, weshalb das USDA seine Vorhersage für die dortige Weizenernte von bisher 80 Mio t auf 81 Mio t heraufgesetzt hat. Seine Prognose für die EU-27 hat das US-Agrarressort gegenüber Mitte Mai "nur" um 0,4 Mio t auf 136,10 Mio t zurückgenommen, obwohl sich die französischen Weizenbestände in einem ungewöhnlich schlechten Zustand befinden. Aus Nordafrika bewegt sich aktuell eine Hitzewelle auf Europa zu. Deren Auswirkungen auf die Weizenerträge werden sich erst im Juli-Bericht aus Washington ablesen lassen.

Da die Ukraine kriegsbedingt nicht im gewohnten Umfang Weizen exportieren kann, ist der Weltmarkt 2022/23 noch mehr als sonst auf Weizenlieferungen aus der Europäischen Union angewiesen. Diese sieht man in Washington im Monatsvergleich unverändert bei 36,0 Mio t. Ganz entscheidend für das EU-Exportvolumen in der nächsten Kampagne wird sein, wie groß die diesjährige Weizenernte in Frankreich ausfällt. Denn der westliche Nachbar ist der größte Weizenerzeuger in der EU und ein wichtiger Anbieter auf dem Weltmarkt.

Unter dem Strich wird sich der globale Weizenbedarf 2022/23 nicht vollständig aus der laufenden Produktion decken lassen. Das USDA geht deshalb davon aus, dass die globalen Weizenreserven im Saisonverlauf um weitere 12,5 Mio t abgebaut werden, und zwar auf das ein Sechsjahrestief von 266,9 Mio t.

Da der USDA-Report weitgehend im Rahmen der Erwartungen lag, sind stärkere Kursbewegungen nach Veröffentlichung der neuen Ernte- und Bilanzschätzung ausgeblieben. An den täglichen Kursveränderungen an der europäischen Leitbörse Matif lässt sich derzeit vor allem der aktuelle Verhandlungsstand ablesen, was die Öffnung der ukrainischen Schwarzmeerhäfen angeht. Zuletzt hatte es in den diversen Verhandlungsrunden keine substanziellen Fortschritte gegeben, was auch heute für einen bullischen Grundton sorgt. Zur Börsenöffnung mussten in Paris für den vorderen Weizenkontrakt zur Abrechnung September 397,25 Euro/t bezahlt werden; das waren 6 Euro/t mehr als zum Handelsschluss am Freitag. AgE


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