Wirtschaftliche Lage der Ackerbauern bleibt prekär

Trotz der Öffnung dreier Seehäfen bleibt die Lage der meisten ukrainischen Landwirte angespannt. Nach Einschätzung von Serhiy Ivashchuk vom Ukrainischen Agrarrat (VAT) dürfte es noch Monate dauern, bis die Seehäfen ihre alterntigen Restbestände, die auf bis zu 20 Mio t geschätzt werden, abgebaut haben. Erst dann werde die Öffnung auch im Inland Preiswirkung entwickeln, so Ivashchuk. Er wies zudem darauf hin, dass die Situation im Schwarzen Meer fragil bleibe und die Exporte durch eine Seemine oder eine Rakete wieder zum Stillstand gebracht werden könnten. Für eine echte Trendwende brauche es daher einen Sieg der ukrainischen Streitkräfte, meinte der VAR-Vertreter.

Bis dahin leiden die ukrainischen Landwirte nach seiner Darstellung schwer unter den stockenden oder ganz unterbrochenen Lieferketten. Diese sorgten auf der einen Seite für hohe Erzeugungskosten, die aktuell im Westen der Ukraine für eine Tonne Getreide bei umgerechnet rund 160 Euro liegen würden. Im Verkauf erhielten die Landwirte dort jedoch im Schnitt nur etwas mehr als 110 Euro/t, so der Landwirt. Teilweise würden die Erlöse durch die hohen Transportkosten ganz aufgefressen.

Der ukrainische Agrarrat befürchtet aufgrund der fehlenden Rentabilität im Herbst einen Einbruch bei den Aussaatflächen und damit 2023 einen drastischen Produktionsrückgang. Er appellierte deshalb an die Regierung in Kiew, die teilweise auf die diesjährige Frühjahrsaussaat beschränkten Liquiditätsprogramme zu verlängern und auszuweiten. Ansonsten seien die Beschaffung von Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutz und damit auch die nationale sowie internationale Ernährungssicherheit gefährdet, warnte der Verband. AgE


© 2022 RWG Rheinland eG
Kontakt: info@rwg-r.de - Datenschutz
Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren
OK